Verhandlungen mit Foodora vorerst gescheitert

Am Nachmittag des 3.11. endete die zweite und vorerst letzte Verhandlungsrunde zwischen der FAU Berlin und der Foodora–Geschäftsführung ohne konkrete Ergebnisse. Der Termin war von der Geschäftsführung im Voraus bereits zweimal verschoben worden. In der Zwischenzeit hatte Foodora außerdem weitere Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen ihrer Fahrer*innen eingeführt. Als klar wurde, dass die Geschäftsführung entgegen ihrer Ankündigung im August nun auch zu wesentlichen Forderungen keine konkreten Angebote an die Fahrer*innen ausgearbeitet hatte, sah die FAU Berlin sich gezwungen, die Verhandlungen für gescheitert zu erklären.

„Ich finde dieses Verhalten absolut unprofessionell“, sagte Leonhard Herrmann, Fahrer bei Foodora und Mitglied im Verhandlungsteam daraufhin am Freitag. „Wenn Foodora sich an keine unserer Absprachen hält, dann müssen wir davon ausgehen, dass es ihnen mit den Verhandlungen nicht ernst ist. Wir haben uns während der Verhandlungen mit Protesten und gewerkschaftlichen Maßnahmen zurückgehalten – daran fühlen wir uns jetzt nicht mehr gebunden.“ Gegenstand der Verhandlungen sollten eigentlich die drei Kernforderungen der Fahrer*innen sein: eine komplette Übernahme der Kosten für die Betriebsmittel durch das Unternehmen, eine Entgelterhöhung von mindestens einem Euro pro Stunde, und Verbesserungen im Schichtplanungssystem. Zusätzlich sollte es um die im September einseitig eingeführten Veränderungen im Bonussystem und der De-Flexibilisierung der Schichtabgabe gehen, die großen Unmut unter den Fahrer*innen hervorgerufen hatten. Bei keinem dieser Themen zeigte sich die Foodora-Geschäftsführung gesprächsbereit.

Einzig auf die Forderung der Fahrer*innen nach einer Kostenübernahme der Reparaturen an ihren privaten Fahrrädern ging das Unternehmen überhaupt ein: ab Januar 2018 solle es „Kooperationspartnerschaften“ mit ausgewählten Fahrradläden geben. Jede*r Fahrer*in erhalte dort ein monatliches Guthaben, dass am Ende des Monats verfällt. Die Höhe des Guthabens beläuft sich auf unter 5ct/km und liegt damit nicht nur weit unter den geforderten 35ct/km, sondern auch unter den von Konkurrent Deliveroo gezahlten 10ct/km. Besonders kritisiert wird die Tatsache, dass das Geld nicht von einem Monat auf den anderen übertragbar sein soll. So Herrmann weiter: „Alle Kuriere wissen: Oft brauchen wir monatelang höchstens mal einen neuen Schlauch oder ein bisschen Kettenöl – dafür geht dann plötzlich alles auf einmal kaputt und es wird richtig teuer. Mit dem Modell, was Foodora jetzt anbieten will, stehen wir mit den wirklich großen Kosten also nach wie vor alleine da.“

Die FAU Berlin ruft nun zu einer Kundgebung am 10.November auf. Dort wollen die Fahrer*innen gegen die wiederholten Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen protestieren und die weiteren Schritte der jetzt wieder anlaufenden Kampagne besprechen. Neben konkreten, wirksamen Verbesserungen fordern viele Fahrer*innen auf lange Sicht nach wie vor einen Tarifvertrag, der ihre Arbeitsbedingungen dauerhaft und zuverlässig regelt. „Auch wenn sie in der derzeitigen Form mehr PR-Aktion als tatsächliche Lösung ist: Dass Foodora jetzt überhaupt eine Verschleißkosten-Pauschale einführt, ist ganz klar ein Erfolg unserer Kampagne“, so Clemens Melzer, Mitglied im Verhandlungsteam. „Und damit machen wir jetzt weiter, bis Foodora sich zu ernsthaften Tarifverhandlungen auf Augenhöhe bereit erklärt.“

Berlin den 6. November 2017

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