[DE+EN] BG Lieferando solidarisiert sich mit inhaftiertem Rider in China

Mengzhu ist bereits seit Februar inhaftiert. Er ist ein bekanntes Gesicht, wenn es um unabhängige Organisierung beim chinesischen Lieferando-Pendant Ele.me geht.

Als Lieferando-Betriebsgruppe der FAU Berlin sprechen wir unserem Kollegen und Gewerkschafter Mengzhu unsere Unterstützung aus. Menghzu ist ein Delivery-Worker bei Ele.me und wurde in Peking verhaftet, nachdem er ein Video von sich gepostet hatte, in dem er die neue Bonuspolitik des Unternehmens anprangert. Er ist als Gewerkschaftsaktivist bekannt, der die unabhängige Organisierung der Zustellarbeiter in China vorantreibt. Wir fordern die sofortige Freilassung von Menghzu. Gewerkschaftliche Organisierung ist kein Verbrechen!

Wir rufen auch alle Essenslieferanten zur Solidarität auf. Jeder hat das Recht, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, ohne im Gefängnis zu landen! Lasst Mengzhu frei!

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BG Lieferando shows solidarity with imprisoned rider in China

Mengzhu has already been detained since February. He is a familiar face when it comes to independent organizing at Chinese Lieferando counterpart Ele.me.

As workers group Lieferando of the FAU Berlin we express our support to our fellow colleague and unionist Mengzhu. Menghzu is a Delivery-worker at Ele.me and was arrested in Beijing after posting a video of himself denouncing a new bonus policy of the company. He is known for being a union-activist who pushes forward the independent organizing of delivery workers in China. We demand Menghzu’s immediate release. Unionizing is not a crime! We also call for all food delivery riders to show solidarity. Everyone has the right to fight for better working conditions without ending up in jail! Free Mengzhu!

More information: China: Leader of Delivery Riders Alliance Detained, Solidarity Movement Repressed | Labor Notes

[DE+EN] Wir unterstützen das Gorillas Workers Collective in ihrem aktuellen Arbeitskampf

#wewantsantiback – Rider des Lebensmittel-Lieferdienstes Gorillas greifen nach fristloser Kündigung eines Kollegen zur Direkten Aktion. Wir erklären uns solidarisch mit den Arbeiter*innen und rufen zur Unterstützung auf.

Am vergangenen Mittwoch hat der Konflikt um die Arbeitsbedingungen bei der Gorillas Technologies GmbH einen neuen Höhepunkt erreicht: Nach der fristlosen Kündigung eines Riders haben die Kolleg*innen den Lagerbetrieb zum Erliegen gebracht.

Der Fall ist exemplarische Folge eines Systems aus Kurzzeitverträgen, prekären Probezeitbedingungen und Gewerkschaftsfeindlichkeit – alles Dinge, die in vielen Lieferbetrieben zu beobachten sind. Wir unterstützen die Organisierung in diesem Bereich und erklären daher nicht nur unsere Solidarität mit dem aktuellen Arbeitskampf, sondern rufen Mitglieder, Gewerkschafter*innen und Sympathisant*innen dazu auf, die Rider in ihrer aktuellen Situation zu unterstützen.

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We support the Gorillas Workers Collective and their current labor struggle 

#wewantsantiback – Riders of the food delivery service Gorillas take direct action after a colleague was dismissed. We declare our solidarity with the workers and call for support.

Since Wednesday, 09th June, the struggle over labor conditions at Gorillas Technologies GmbH reached a new peak. After a colleagues’ termination without notice, fellow workers brought warehouse-operations to a halt.

The case is an exemplary outcome of a system consisting of short-term contracts, precarious probation-conditions and union busting which we all see at many delivery-companies. We support organizing in this field and therefore not only declare our solidarity with the current struggle but call upon members, unionists and sympathizers to support the workers in their current situation.

Velogista riders are facing repression while organizing for basic rights

On Tuesday the 23rd of February a small rally was held by the FAU Berlin outside of the Cycle Logistics (which also works under the name Velogista) depot in Kreuzberg. Members of the FAU had gathered to support the worker’s group at Cycle Logistics GmbH who are actively fighting for better conditions at their workplace. The employer has ignored multiple letters from the FAU asking for a collective answer to the problems and has up until this point resisted dealing with the problems in the company collectively as demanded by the worker’s group.

The rally lasted for an hour and a half, flyers were handed out, good coversation were made with the staff and laughs shared. It was the first action in support of the Cycle Logistics workers group but bigger and more frequent actions will happen unless the demands of the worker’s group are acted upon. 
The worker’s group are asking for an open, transparent and collective process for dialogue with the owner of the company. Many issues have been raised in recent months but the biggest at the moment regards the attempted wage theft due to unjustifiable minus hours as well as the lack of transparency in how these calculations have been made. At the very least we ask Velogista at a minimum to follow the basic legal law in regards to this matter and to deal with this, with the workers as a group and not to target individual workers and push them into possibly detrimental personal arrangements.
As a grassroots trade union, we believe workers are stronger when they stand together. We stand up for adequately paid, safe and fair working conditions for everyone. Like all couriers in the city of Berlin and beyond, the staff at Cycle Logistics Gmbh face day to day hardships and work in all weather conditions whether it’s the deepest darkest winter or the warmest days in Summer as well as working for the entirety of the pandemic. They deserve to be treated with dignity and respect and have their basic conditions met by their employer. 
The FAU along with other grassroots unions all over the world has been helping couriers self organise and fight for what they deserve, the struggle with Cycle Logistics Gmbh is just one link in the chain in the struggle for all delivery workers for better working condititions. 
We stand in solidarity with the Cycle logistics workers group and will continue to provide the support they need to fight for their rights as well as better working conditions in the future! 
The riders united, can never be defeated!

[DE+EN] #RidersOnTheStorm – Riders in Berlin demand co-determination!

Berliner Lieferdienstfahrer*innen (“Rider”), erleben gerade heftige Tage. Zur Corona Pandemie kam in der letzten Woche ein Kälteeinbruch und Schneesturm hinzu. Bei Glatteis, Minusgraden, Wind und Schnee sitzen unsere Kolleg* innen bis zu Zehn Stunden täglich auf dem Rad, um für Unternehmen wie Wolt oder Lieferando Essen auszuliefern. Die Risiken die dabei momentan entstehen sind nicht zumutbar! Die sogenannten Arbeitgeber*innen scheinen daran bisher nicht interessiert zu sein.

Wie schon zu Beginn der Corona-Krise geben sich die Unternehmen als kaltschnäuzige Krisengewinner*innen, die nicht einmal nachfragen, was Arbeiterinnen zu ihren mehr als lückenhaften Arbeits- und Gesundheitsschutzkonzepten sagen. Die “Kontaktlose Lieferung” ist nicht kontaktlos. Fahrerinnen bekommen nur schwer Zugang zu sanitären Einrichtungen. Schutzmasken werden gar nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. Ebenso fehlen angemessene Winterkleidung und Winterreifen für die Fahrräder.

In den Betrieben bleibt ein solches Vorgehen nicht folgenlos. Rider von mehreren Lieferdiensten haben selbstorganisierte Gruppen aufgebaut, in denen Mitglieder von Betriebsgruppen der FAU Berlin aktiv beteiligt sind. Die Rider vernetzen sich immer mehr. Hierbei werden sie von der FAU Berlin solidarisch unterstützt.

Die Betriebsgruppe Lieferando der FAU Berlin hat gemeinsam mit Ridern des Lieferdienstes Wolt die folgenden Forderungen aufgestellt:

1. Angemessene Ausstattung!

Wir fordern angemessenes Equipment für Winter und Sommer, welches rechtzeitig zur Verfügung gestellt wird. Ausrüstung in der Zentrale (Hub) abzuholen kostet Zeit und muss als Arbeitszeit angerechnet werden. Wir haben das Recht darauf, für all unsere Arbeitszeit bezahlt zu werden. Wenn wir nicht dafür bezahlt werden das Equipment abzuholen, muss es uns nach Hause geschickt werden.

2. Sichere Arbeitsbedingungen!

Wenn sichere Arbeitsbedingungen nicht gewährleistet werden können, sollte der Betrieb gestoppt werden. Keine Fahrerin sollte sich dazu gezwungen sehen unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten. Dazu zählen Glatteis, starker Schneefall, starker Wind/Böen und extreme Kälte.

3. Mitarbeiter*innen Mitbestimmung!

Mitarbeiterinnen und Managerinnen müssen zusammen entscheiden, welche Arbeitsbedingungen akzeptabel sind. Wir fordern,dass beide Parteien zusammen klare und zuverlässige Kriterien erstellen – und zwar anhand von Feedback der Fahrer*innen – sodass wir vorab abschätzen können, ob und wann eine Schließung stattfinden wird.

4. Schlechtes Wetter? Betrieb einstellen, Lohn weiter zahlen!

Wir bestimmen nicht das Wetter, wir können nur sicher stellen, dass wir für unsere Schichten verfügbar sind. Wir fordern volle Bezahlung von Schichten, wenn eine Einstellung des Betriebs durch ein unsicheres Arbeitsumfeld notwendig ist. Unsere Arbeitsunfähigkeit ist unter solchen Bedingungen nicht unsere Schuld, somit sollten wir nicht den Preis dafür zahlen müssen. Tage, an denen der Betrieb eingestellt werden muss, dürfen nicht von Urlaubstagen abgezogen werden.

5. Arbeitsmittel bezahlen, reparieren, ersetzen!

Wenn etwas von unserem persönlichen Equipment durch das Arbeiten in schlechtem Wetter kaputt geht, muss das Unternehmen für den Schaden aufkommen.

6. Zugang zu sanitären Einrichtungen!

Wir fordern, dass das Unternehmen dafür sorgt, dass wir garantierten und einfachen Zugang zu Toiletten und Waschräumen während unserer Schicht haben. Dies ist ein Gesundheits- , Sicherheits- und Gleichstellungsrecht: Wir haben ein erhöhtes Risiko, dem Coronavirus ausgesetzt zu sein. Unsere Kolleginnen leiden hierunter besonders. Lieferando muss Restaurants bezahlen, damit Fahrer*innen Zugang zu den Toiletten gewährt werden kann. Zudem muss Lieferando eigene Toiletten bereitstellen.

Zur Durchsetzung der Forderungen sind unsere Kolleg*innen und Genoss*innen auch auf die Öffentlichkeit, nicht zuletzt aber auf die Solidarität der Kund*innen angewiesen. Im stressigen Arbeitsalltag ist Essensbestellung oft eine einfache Lösung. Wenn ihr die Rider in diesen Tagen unterstützen wollt, könnt ihr das schon durch ein bis zweimal selbst Kochen tun. Wenn ihr bestellen wollt, dann am besten bei Lieferdiensten, in denen Rider selbstbestimmt entscheiden können, ob es für sie sicher ist zu liefern oder nicht. Zum Beispiel bei berliner Lieferdienstkollektiven (kolyma2.de or foodfairies.de).

Am Ende wird es dann aber auch das Wetter selbst sein, das Fakten schafft. In der Lieferando Betriebsgruppe der FAU Berlin machen sich die kalten Tage durch einen hohen Krankenstand bemerkbar. Auch viele andere Betriebsabläufe sind stark verlangsamt. Die privaten Handyakkus scheitern an der Kälte, gefrorene Straßen verlangsamen die Zustellung. Fehlende Winterreifen und Winterkleidung führen zu Unfällen und Erkrankungen.

Wir bedauern diese Umstände sehr und erklären uns solidarisch mit unseren Kolleg*innen auf Berlins Straßen. Wir sehen bisher nicht, dass die Leitungen der Lieferdienste gewillt sind Lösungen mit den Ridern zu finden. Sie wälzen Risiko und Verantwortung auf die Rider ab. Diese Willkür verunsichert viele Rider. Immer mehr finden Lösungen durch Selbstorganisation und Solidarität.

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Riders in Berlin are currently experiencing some tough days. Besides the Corona pandemic, last week was marked by a cold snap and snowstorm. With black ice, sub-zero temperatures, wind and snow, our colleagues are biking for up to ten hours a day to deliver food for companies like Wolt or Lieferando. The risks that arise at the moment are not acceptable! The employers do not seem to care about the riders risking their lives on the road.

Like at the beginning of the Corona crisis, the companies present themselves as callous crisis profiteers, who don’t even ask what workers have to say about their more than sketchy health and safety concepts. The “contactless delivery” is not contactless. Drivers have difficulty accessing toilets. Protective masks are not provided at all or not sufficiently. Likewise, adequate winter clothing or winter tires for the bicycles are missing.

In the companies, such an approach does not remain without consequences. Riders from several delivery services have built up self-organized groups in which members of company groups of the FAU Berlin are actively involved. The riders are networking more and more. The FAU Berlin supports them in their struggle.

The workers group Lieferando of the FAU Berlin, together with riders of the delivery service Wolt, has set up demands:

1. Proper equipment for Summer and Winter!

We demand proper equipment for winter and summer, delivered at the right time. Picking up gear at the office (hub) is time consuming and should be considered working time. We have the right to be paid for all our working time. If we are not paid to collect equipment, it should be posted to us as home.

2. Safe work conditions!

When safe working conditions cannot be ensured, operations should be stopped. No rider should be forced to work in hazardous working conditions. This includes black ice, heavy snow, strong wind/gusts, and extreme cold.

3. Workers say!

Workers and managers should decide together on which working conditions are acceptable. We demand that both parties, together, create clear and reliable criteria based on feedback from riders so that we can predict if and when a shutdown is going to apply.

4. Bad Weather? Pause operations but continue to pay!

We do not choose the weather, but we make sure to be available and ready for our shifts. We demand full payment of shifts when operations are closed due to an unsafe/unsuitable working environment. Our inability to work in these conditions is not our fault, so we should not have to pay the price! No deduction from holidays should ever occur!

5. Pay for or repair, replace work equipment!

If any of our personal equipment, including our bikes, are damaged due to working in bad weather, the company should pay to fix them.

6. Access to toilets!

We demand that the company ensures that we have guaranteed and easy access to toilets and washing facilities during shifts. This is a health and safety right and a gender equality right: we are at an increased risk of exposure to coronavirus and our female colleagues are especially affected. Lieferando has to pay restaurants to offer riders/drivers access to their toilets! Additionally Lieferando has to provide own toilets.

In order to enforce their demands, our colleagues and comrades are dependent on the public, as well as on the solidarity of the customers. In those stressful working day it is often an easy solution to order food. But if you want to support the riders these days, you can do it by cooking once or twice instead of ordering. If you want to order, then it’s best to order from delivery services where riders can decide for themselves whether it’s safe for them to deliver or not, for example, from Berlin delivery collectives (kolyma2.de or foodfairies.de).

The weather itself determines if it is possible to ride. In the Lieferando workers group of the FAU Berlin, the number of sick leaves increased dramatically during the cold days. Many other processes have also slowed down considerably. Workers’ private phone batteries fail due to the cold, frozen roads slow down deliveries. Lack of winter tires and winter clothing lead to accidents and illness.

In such circumstances, we want to declare our solidarity with our colleagues on Berlin’s roads. It does not seem like the management from the company is willing to find solutions for the riders. They transfer all the risks on the riders. Many of them feel unsafe. That’s why more and more of them turn on solidarity and self-organization.

[DE+EN] Solidarität mit unseren Kolleg*innen bei Uber und Lyft! Nein zu Prop22!

Am 3. November wird in den USA nicht nur über die Präsidentschaft abgestimmt: Zeitgleich soll auch über die Gesetzeserweiterung “Proposal 22” entschieden werden. Sie könnte einen herben Rückschritt für die Rechte von Plattformarbeiter*innen bedeuten.

Es gibt Grund zur Freude: Ein Berufungsgericht in Kalifornien – der Geburtsstätte der Plattformarbeit – hat vergangene Woche entschieden, dass Uber Fahrer*innen als Angestellte und nicht – wie bisher – als (Schein-) selbstständige Unternehmer*innen anzusehen sind.

Statt prekärer Subunternehmer*innentätigkeit gibt es für unsere Kolleg*innen bald Mindestlohn, bezahlte Urlaubs- und Krankheitstage sowie Aussicht auf eine Krankenversicherung. Als Betriebsgruppe der Lieferando-Rider in der FAU Berlin begrüßen wir diesen Erfolg! Die Verhandlung der arbeitstechnischen Eckdaten in der Gig-Economy ist beinahe so jung wie das Modell selbst – jede Entwicklung zugunsten der Arbeiter* innen ist daher besonders wichtig – und hoffentlich wegweisend.

Für andere gibt es Grund zur Empörung: Nach dem Urteil drohten die Unternehmensführungen von Uber und Lyft prompt mit der Einstellung ihrer Dienste oder immensen Preissprüngen. Dann griffen sie jedoch lieber die Rechtsprechung direkt an: Hierzu wurde die Gesetzeserweiterung “Proposal 22” (kurz Prop22) auf den Weg gebracht. “Prop22” würde die Arbeiter* innen in der Gig-Economy auch zukünftig an ihre Rolle als (Schein-) Selbsständige binden. Es ist die nächste Runde im Tauziehen um das Verhältnis von Bindung, Rechte und Pflichten – vor allem der Arbeitgeber*innen.

Über Prop22 wird am 3.November – zeitgleich zur Präsidentschaftswahrl – per Stimmzettel von der Bevölkerung entschieden. Egal wie das Ergebnis aussehen wird – wir werden weiterhin solidarisch mit unseren Kolleg*innen kämpfen!

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Solidarity to our colleagues at Uber and Lyft – no to “Prop22”!

On the 3rd of november not not only the new U.S.-president will be elected – people will also vote on the “Proposal22” law enlargement – which could cause severe regression for Gig-workers’ rights.

There is reason to rejoice: An appeals court in California – the birthplace of platform work – ruled last week that Uber drivers are to be considered employees and not – as before – (fake) self-employed entrepreneurs.

Instead of precarious subcontractor work, our colleagues will soon have a minimum wage, paid vacation and sick days as well as the prospect of health insurance. As the workers group of the Lieferando-Riders at FAU Berlin we welcome this success! The negotiation of the technical keypoints in the Gig-Economy is almost as young as the model itself – every development in favor of the workers is therefore especially important – and hopefully groundbreaking.

But there is also reason for indignation: after the verdict, the management of Uber and Lyft promptly threatened to discontinue their services or make immense price jumps. But then they preferred to attack the jurisdiction directly: To this end, the legislative extension “Proposal 22” (Prop22 for short) was launched. “Prop22” would continue to bind the workers in the gig economy to their role as (fake) self-employed. It is the next round in the tug-of-war about the relationship between commitment, rights and duties – especially of employers.

Prop22 will be decided by the population on November 3rd – at the same time as the presidential election – by ballot. No matter what the result will be – we will continue to fight in solidarity with our colleagues!

#Ausgeliefert in der Krise

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Erst kommt das Schnitzel, dann kommt die Moral. Ein Interview mit Lieferando-Fahrer*innen der Betriebsgruppe der FAU Berlin.

Als Corona losging, musstest du trotzdem raus zum Liefern. Dich selbst und Andere in Gefahr bringen, das sollte kein Teil einer Jobbeschreibung sein – und war dann plötzlich Teil deines Jobs. Was ist im März und April 2020 bei den Fahrer*innen („Ridern“) von Lieferando passiert? Was passiert dort jetzt? Das folgende Interview geht auf diese Fragen ein, aber es soll gleichzeitig auch zur Schaffung eines größeren Bildes beitragen.[1]

Wenn wir in die Fleischindustrie, ins Gesundheitswesen – oder die Agrarindustrie schauen, können wir erkennen wie prekäre Arbeit in Krisensituationen aussieht. Die Zustände in den Branchen sind keine Einzelfälle, sondern exemplarisch für Missmanagement und Versagen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

Lieferando – die dominierende deutsche Tochterfirma des Liefergiganten TakeAway.com – ist nur ein weiteres Beispiel für gefährliches Versagen privater Firmen in der Krise. Aber die Bewältigung der Krise durch Lieferando Rider ist auch ein weiteres Beispiel einer Idee, die älter ist als der Kapitalismus selbst: Die Selbstorganisation von Arbeiter*innen. In diesem Artikel sprechen Lieferando Rider über Infektionsrisiken, denen sie bei ihrer Arbeit #ausgeliefert sind, aber auch über Forderungen, die sie durchsetzen wollen, um ihre Situation zu verbessern.

Was sind eure größten Sorgen in dieser Krise?

Der Job war schon immer gefährlich. Wir sind im Straßenverkehr mit schweren und sperrigen Rucksäcken auf teilweise gefährlich schlecht gewarteten Rädern unterwegs. Dabei müssen wir uns vor gestressten Geschäftsleuten in Acht nehmen, die auf die Straße springen, während gerade ein wütender, rücksichtsloser SUV-Fahrer überholt. Da können wir uns weniger darum sorgen, ob die Suppe noch im Behälter ist oder schon im ganzen Rucksack. Jetzt haben wir es zudem noch mit Corona zu tun: Vom Restaurant bis zum Kunden das Risiko, sich anzustecken und dadurch krank zu werden, oder selbst das Virus zu verbreiten.

Hat Lieferando auf die Pandemie reagiert?

Ja, aber Lieferando (oder „TakeAway.com“, das Unternehmen, dem in Deutschland auch „Foodora“ und „DeliveryHero“ gehören) hat langsam reagiert. In Anbetracht der Verantwortung, die Lieferando gegenüber seinen Mitarbeiter*innen, dem Personal der Restaurants und den Kund*innen trägt, kann das Vorgehen zwar mit Profitinteresse erklärt werden, aber entschuldigen lässt es sich nicht. Die Rider wurden auf der Straße mit dem Virus allein gelassen. Lieferando hat hauptsächlich den Lieferbetrieb so normal wie möglich aufrecht gehalten und damit Ridern zusätzliche Verantwortung aufgeladen. Lieferando hat die Rider zusätzlichen Gefahren #ausgeliefert und auch Kolleg*innen während der Krise auf die Straße gesetzt, also gekündigt oder sie nach Befristungsende nicht weiter beschäftigt.

Wie sahen Lieferandos erste Reaktionen aus?

Rider haben kaum etwas von Lieferando gehört. Lieferando hat weder Mitarbeiter*innentreffen, noch Schulungen durchgeführt, oder einen persönlichen Austausch ermöglicht. Lieferando kommuniziert mit Ridern generell nur durch kleine Notizen oder kurze, oft missverständliche E-Mails. Die ersten Informationen und die folgenden Aktualisierungen konzentrierten sich ausschließlich auf die physische Distanzierung und Desinfektionsmaßnahmen. Lieferando betonte 1,5 m Abstand voneinander zu halten und sich die Hände zu waschen. Der tatsächliche Nutzen dieser Informationen war fragwürdig, da Lieferando die Hygienemaßnahmen nicht vollständig durchdachte. Erst Monate später gab es eine Präsentation, in der Hygienemaßnahmen nicht nur das Ausliefern, also den Kontakt mit Kund*innen betrafen. Es dauerte sehr lang bis Lieferando mit den Restaurants und Kund*innen effektiv kommunizierte. Anfangs verweigerten Restaurants den Zugang zu Toiletten, Waschbecken oder Desinfektionsmitteln. Kund*innen hielten sich nicht an Hygieneempfehlungen und beschwerten sich sogar über Rider, die Distanz halten wollten. Und Lieferando selbst gab erst kein Desinfektionsmittel heraus, dann eine kleine Menge, die anscheinend unwirksam gegen Viren war. Bis den Ridern eine vollständige Sicherheitsausrüstung (Einweghandschuhe, Gesichtsmasken, Desinfektionsgel) zur Verfügung gestellt wurde, veröffentlichte Lieferando Aussagen wie

“Handschuhe und Gesichtsmasken würden dem Rider ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln und ihn so dazu verleiten, andere Sicherheitsmaßnahmen zu vernachlässigen”.

Als es in Berlin mehr Infektionen gab, schloss Lieferando seine Lieferzentrale (genannt “Hub”) für Rider. Der Hub-Kolleg*innen schirmten sich ab. Rider blieben Anfangs ohne Schutz oder Unterstützung auf der Straße. Der Hub war vorher der Ort, an dem die Fahrer*innen zu Beginn ihrer Schicht ihre Ausrüstung abholten. Nach der Schließung des Hubs erhielten einige Rider dauerhaft Rucksäcke, Helme und Leihräder. Da Rider nun nicht mehr in den Hub durften, sollten sie von Zuhause aus starten. Genau wie die ehemaligen foodora-Rider mussten nun alle Rider ihre Ausrüstung ohne finanzielle Entschädigung selbst lagern, reinigen und reparieren. Für Lieferando reduzierte sich die Anzahl der Personen in dem Hub. Für Rider stiegen Belastungen und Risiken auf der Straße und zuhause. Lieferandos Firmenkonzept lässt kaum Platz für Hygienemaßnahmen oder Abstandsregelungen im Betrieb selbst. Auch ohne Corona ist der Hub zu eng, vollgestellt mit mangelhaft gewarteten, abgenutzten Rädern und stinkenden, durchnässten Rucksäcken. Seit Corona belastet Lieferando die Rider mit zusätzlicher Verantwortung, auf die sie nicht vorbereitet sind – und für die sie weder ausreichend geschult noch bezahlt werden. Auch das ist typisch für kapitalistische Ausbeutung.

Wie sieht die Situation jetzt aus, wo wir uns schon einige Monate in der Krise befinden?

Es dauerte etwa einen Monat, bis sich Lieferando auf die Notlage eingestellt hatte. Im Laufe der Zeit wurden die Informationen häufiger und inhaltlich besser: Im Chat der App machte Lieferando immer wieder neue Anweisungen zum Umgang mit Abholungen und Lieferungen. Bei sanitären Einrichtungen wurde stärker auf öffentliche Toiletten zurückgegriffen. Die Anweisungen und Informationen von Lieferando sind meist kurz und missverständlich, deswegen helfen sich die Rider in Chatgruppen, in ihrem Umfeld oder sie versuchen allein Wege zu finden, die Anweisungen sinnvoll umzusetzen.

Der chaotische und undurchsichtige Umgang von Lieferando mit Arbeiter*innen, Restaurants und Kund*innen konnte am Online-Trinkgeld Skandal beobachtet werden. Lieferando führte sehr überraschend eine Möglichkeit ein Trinkgeld online zu geben. Dies hatte wenig mit Covid-19 zu tun, obwohl Rider versuchten sich vor Infektionen durch Trinkgeld zu schützen. Alles, was die Rider mitbekamen war, dass nach einem Update der Liefer-App einige „Trinkgeld“ angezeigt bekamen. Rider wurden zum online Trinkgeld weder befragt, noch unterwiesen, sonder gezwungen. Manche Rider wollen weiter Bargeld als Trinkgeld und versuchen mögliche Infektionsgefahren beim Entgegennehmen zu vermindern. Einige Rider fürchten weniger verdienen zu können, weil sie weniger bares Trinkgeld bekommen und das online Trinkgeld nun auf der Lohnabrechnung erscheint. Die Unternehmensführung lässt uns, wie fast immer, keine Wahl und mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen allein.

Der Online Trinkgeld Skandal zeigt, dass Skepsis und Misstrauen der Rider wegen des intransparentem, willkürlichem Umgangs von Lieferando berechtigt sind. Einige Rider bekamen erst nach zwei Monaten ihre Online Trinkgelder ausgezahlt. Wer weiß, wie Viele überhaupt betroffen sind?

Reichen die Maßnahmen aus?

Die Maßnahmen von Lieferando waren bisher eher unzureichend, verspätet oder verantwortungslos. Lieferando scheint die Kommunikation nach außen wichtiger zu sein, als die mit den Ridern. Beschwerden von Ridern werden erst wahrgenommen, wenn es öffentlichen Druck gibt. Die verzögerten Reaktionen und die allgemeine Verantwortungslosigkeit von Lieferando gegenüber den Beschäftigten gefährdet die Gesundheit der Rider, Restaurants und Kund*innen. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass jeder Rider in der Lage ist, die Rucksäcke und Kleidung bei sich zu Hause zu lagern oder zu desinfizieren. Manche Rider wohnen mit über 8 weiteren Personen in einer Wohnung und teilen sich das Zimmer auch mal mit drei oder 4 anderen Menschen. Arbeiter*innen in anderen Bereichen, zum Beispiel im Krankenhaus, können ihre potentiell ansteckende Ausrüstung auf der Arbeit lassen. Lieferando zwingt Rider, ihre Familien oder Mitbewohner*innen zu gefährden. Lieferando entzieht sich seiner Verwantwortung und wälzt sie auf die Gesellschaft ab. Die unterbezahlten Arbeiter*innen und ihr Umfeld müssen die Verantwortung und Kosten übernehmen. Lieferando steigert so seine Gewinne, während für Arbeiter*innen und Öffentlichkeit die realen Löhne sinken und Last und Risiko steigen. Die Auslagerung von Kosten auf der Umfeld und damit dessen Ausbeutung ist typisch für kapitalistische Wirtschaftsweisen.

Was muss sich bei Lieferando ändern, um mit der Situation besser umgehen zu können?

Es ist bemerkenswert und beunruhigend, dass sich sowohl Staat als auch Bosse noch immer mehr Sorgen um das Wachstum der Wirtschaft machen aber nicht um das Wohlergehen der Arbeiter*innen und Kund*innen. Lieferando oder der Staat müssen angemessene Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, anstatt die Rider damit zu belasten – und dann auf das Beste zu hoffen. Lieferando muss unsere Ausrüstung von einem professionellen Team ordnungsgemäß reinigen und desinfizieren lassen. Lieferando muss die sanitären Standards in der gesamten Lieferkette, einschließlich der Partnerrestaurants, auf einen hygienisch akzeptablen Stand bringen, nicht nur während Corona. Hygiensch gesehen ist das Essen im Restaurant dem Essen im Rucksack nicht gleich.

Was Lieferando und das Verhältnis zu den Mitarbeiter*innen betrifft, so ist die Ausnutzung der oft prekären Lebenssituationen der Arbeiter*innen eklatant. Lieferando zahlt Mindestlohn oder ein wenig darüber. Das deckt nicht grundlegende Lebenshaltungskosten. Rider sind Mobbing-Situationen, psychischem Druck und Drohungen ausgesetzt. Bei den meisten Problemen lautet die Lösung von Lieferando: Kündigung! Lieferando stützt sich auf Unsicherheiten derer, die mit der deutschen Sprache oder dem deutschen Recht nicht vertraut sind. Die ehemaligen Foodora Rider leiden unter noch schlechteren Vertrags- und Arbeitsbedingungen. Obwohl sie die gleiche Arbeit machen, behandelt Lieferando sie schlechter. Sie fahren mit ihrem eigenen Rad und bekommen zum Teil einen geringeren Lohn. Auch macht den ex-Foodora Ridern zu schaffen, dass sie meist vollkommen auf sich gestellt sind. Lieferando ignoriert sie und kommuniziert kaum mit ihnen.

Habt ihr noch ein paar Worte für eure Kolleg*innen, vielleicht darüber, was sie tun können, um diese Situation zu ändern?

Lieferando spaltet und isoliert uns. Unsere Ausbeutung basiert darauf, dass wir allein sind, uns nicht füreinander einsetzen also solidarisieren und nicht genug Wissen, Zeit oder Geld haben, um uns zu wehren oder anderen zu helfen. Aber wir brauchen nicht viel, um unsere Situation zu ändern und wir müssen nicht Viele sein. Alles, was wir brauchen, ist ein wenig gegenseitige Unterstützung, also Solidarität. Lasst uns zusammen kommen um unsere Probleme und Lösungen zu teilen. Akzeptiert nicht jede Situation, die Lieferando uns aufzwingen will.

Dein Fahrrad ist kaputt? Lieferando muss die Reparatur zahlen! Deine Ausrüstung ist schmutzig? Lieferando muss dich fürs Saubermachen bezahlen! Du bist krank oder hast wegen Corona Angst zur Arbeit zu gehen? Du willst einen unbefristeten Vertrag? Du kriegst deinen Lohn nur teilweise, ohne Trinkgeld oder verspätet? Du bist nicht allein! Sprich mit dem Rider neben dir. Kontaktiere Unterstützungsgruppen oder Gewerkschaften. Gemeinsam, auch in kleinen Gruppen, können wir Dinge ändern!

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#delivered in the crisis

Food delivery during the crisis: Schnitzel first, morals later.

When Corona went off, you still had to go out to deliver. Putting yourself and others in danger, that shouldn’t be part of a job description – and then suddenly it was part of your job. What happened to the riders of Lieferando in March and April 2020? What is happening there now? The following interview addresses these questions, but at the same time it should help to create a bigger picture.

If we look at the meat industry, health care or agricultural industry, we can see what precarious work looks like in crisis situations. The conditions in these industries are not isolated cases, but are exemplary of mismanagement and failure of the capitalist economic order.

Lieferando – the dominant German subsidiary of the supply giant TakeAway.com – is just another example of dangerous failure in a crisis. But Lieferando Rider’s handling of the crisis is also another example of an idea older than the crisis of capitalism itself: The self-organisation of workers. In this article, Lieferando Riders talk about the risks of infection they are exposed to in their work, but also about demands they want to enforce to improve their situation.

What are your biggest concerns in this crisis?

The job has always been dangerous. We are on the road with heavy and bulky backpacks on partly dangerously badly maintained bikes. We have to be careful of stressed out business people jumping on the road while an angry, reckless SUV driver is overtaking. So we can worry less about whether the soup is still in the container or already in the whole backpack. Now we also have to deal with Corona: from the restaurant to the customer, the risk of getting infected and getting sick or spreading the virus ourselves.

Has Lieferando reacted to the pandemic?

Yes, but Lieferando (or TakeAway.com, the company that owns Foodora and DeliveryHero in Germany) reacted slowly. Considering the responsibility Lieferando has towards its employees, restaurant staff and customers, the action can be explained as being in the interest of profit, but there is no excuse. The riders were left alone on the road with the virus. Lieferando mainly kept the delivery business as normal as possible and thus charged riders with additional responsibility. Lieferando has #delivered the riders to additional dangers and set riders on the street while an ongoing crisis. Lieferando fired riders and didnt reengage them at the end of their termination.

How did Lieferando’s first reactions look like?

Riders hardly heard anything from Lieferando. Lieferando did not organize meetings, trainings or personal exchange of information. Lieferando generally communicates with riders only by small notes or short, often misleading e-mails. The first information and the following updates focused exclusively on physical distance and disinfection measures. Lieferando emphasized to keep 1.5 m distance from each other and to wash his hands. The actual usefulness of this information was questionable, as Lieferando did not fully think through the hygiene measures. Only months later there was a presentation in which hygiene measures did not only concern delivery, i.e. contact with customers. But it took a very long time for Lieferando to communicate effectively with the restaurants and customers. Initially restaurants refused access to toilets, washbasins or disinfectants. Customers did not follow hygiene recommendations and even complained about riders who tried to keep their distance. And Lieferando itself did not give out disinfectant at first, then a small amount, apparently ineffective against viruses. Until the riders were provided with complete safety equipment (disposable gloves, face masks, disinfectant gel), Lieferando published statements such as

“Gloves and face masks would give the rider a false sense of security and thus tempt him to neglect other safety measures”.

When the more infections occurred in Berlin, Lieferando closed its delivery center (called “Hub”) for Rider. The hub-colleagues* shielded themselves. Riders remained on the streets without protection at first. The Hub used to be the place where riders* picked up their equipment at the beginning of their shift. After the closure of the hub, some riders received backpacks, helmets and rental bikes permanently. Since riders were no longer allowed to enter the hub, they should start from home. Just like the former foodora riders, all riders now had to store, clean and repair their equipment themselves without financial compensation. For Lieferando the number of people in the hub was reduced. For riders, the stress and risks on the road and at home increased. Lieferando’s company concept leaves hardly any room for hygiene measures or clearance regulations in the hub itself. Even without Corona, the hub is too narrow, filled with poorly maintained, worn wheels and smelly, soaked backpacks. Since Corona, Lieferando has been burdening drivers* with additional responsibilities for which they are not prepared – and for which they are neither trained nor paid enough. This is also typical for capitalist exploitation.

What is the situation now, when we have been in crisis for several months?

It took about a month for Lieferando to adjust to the emergency. In the course of time, the information became more frequent and the content improved: in the app’s chat, Lieferando kept on giving new instructions on how to handle pick-ups and deliveries. Public toilets were used more often for sanitary facilities. The instructions and information of Lieferando are mostly short and misleading, that’s why the riders help each other in chat groups, in their communities or they alone try to find ways to implement the instructions in a meaningful way.

The chaotic and intransparent handling of Lieferando with workers, restaurants and customers* could be observed at the online tipping scandal. Lieferando very surprisingly introduced a way to tip online. This had little to do with Covid-19, although riders tried to protect themselves from infection by tipping. All the riders noticed was that after an update of the delivery app some riders got some “tip” displayed.Riders were neither asked nor instructed about online tipping, but forced to do so. Some riders still want cash as a tip and try to reduce the risk of infection when receiving a tip. Some riders are afraid of earning less because they get less cash and the online tip appears on the pay slip. The management leaves us, as almost always, no choice and with the consequences of their decisions alone.

The online tipping scandal shows that scepticism and mistrust of the riders are justified because of the intransparent, arbitrary handling of Lieferando. Some riders only received their online tips after two months. Who knows how many are affected at all.

Are the measures sufficient?

The measures of Lieferando have so far been rather insufficient, delayed or irresponsible. For Lieferando the communication to the outside seems to be more important than the communication with the riders. Complaints from riders are noticed when there is public pressure. The delayed reactions and the general irresponsibility of Lieferando towards the employees endangers the health of the riders, restaurants and customers. It is unrealistic to assume that every rider is able to store or disinfect the backpacks and clothes at home. Some riders live with more than 8 other people in an apartment and sometimes share a room with 3 or 4 other people. Workers in other sectors, such as hospitals, may leave their potentially infectious equipment at work. Lieferando forces riders to endanger their families or roommates. Lieferando evades its responsibility and shifts it onto society. The underpaid workers and their communities have to bear the responsibility and costs. Lieferando thus increases profits, while the burden and risk for workers and the public increases. The outsourcing of costs to the community and thus its exploitation is typical for capitalist economic methods.

What must change at Lieferando to better deal with the situation?

It is remarkable and worrying that both the state and the bosses are still more concerned about the growth of the economy but not about the health of the workers and customers. Lieferando or the state must provide adequate protective equipment instead of burdening the riders with it – and then hope for the best. Lieferando must have our work equipment properly cleaned and disinfected by a professional team. Lieferando must bring sanitary standards to a hygienically acceptable level throughout the supply chain, including partner restaurants, not just during Corona. Hygienically speaking, the food in a restaurant is not the same as the food in your backpack.

As far as Lieferando and the relationship with the employees is concerned, the exploitation of the often precarious life situations of the workers is striking. Lieferando pays minimum wage or a little bit more. This does not cover basic living costs. Riders are exposed to mobbing situations, psychological pressure and threats. For most problems the solution of Lieferando is: Dismissal! Lieferando relies on insecurities of those who are not familiar with the German language or German law. The former Foodora Riders suffer from even worse contractual and working conditions. Although they do the same work, Lieferando treats them worse. They ride their own bikes and sometimes receive lower wages. The ex-Foodora Riders also suffer from the fact that they are usually completely on their own. Lieferando ignores them and hardly communicates with them.

Do you have a few words for your colleagues, maybe about what they can do to change this situation?

Lieferando divides and isolates us. Our exploitation is based on the fact that we are alone, we don’t stand up for each other, we don’t have enough knowledge, time or money to defend ourselves or help others. But we don’t need much to change our situation and we don’t have to be many. All we need is a little bit of mutual support, solidarity. Let us come together to share our problems and solutions. Don’t accept every situation that Lieferando wants to force on us.

Your bike is broken? Lieferando must pay for the repair! Your equipment is dirty? Lieferando has to pay you to clean it! Are you sick or are you afraid to go to work because of Corona? You want a permanent contract? You get partly paid, no tips, or payment is late? You’re not alone! Talk to the rider next to you. Contact support groups or unions. Together, even in small groups, we can change things!

[EN+DE] Workplace group Lieferando / Betriebsgruppe Lieferando

The company group of Lieferando employees in Berlin was founded in 2020. We are actually a workers group of “TakeAway”. Ex-Foodora employees, Workers of Wolt, Velogista, Mister Subs, Stadtsalat, REWE, DurstExpress or other delivery companies are as welcome as Lieferando employees. We are supported by former Deliveroo employees and continue their #deliverunion campaign. Contact us on: faub-ldo(a)fau.org
Our goals
Through regular exchanges within the company group, we want to ensure that we can represent our common interests as a group. We want to become more by addressing and involving more workers. In this way we want to continuously improve the working conditions of all workers.  We want to support each other through knowledge and action to solve our problems together. No matter where we come from or where we want to go, no matter whether we are only in Germany for half a year or whether we do this work for several years, we want to be able to live from our work and not ruin our health. Above all we want to protect ourselves from arbitrariness of Lieferando and secure our jobs.
Our means
At the beginning there is the exchange among each other. Together we develop solutions to our problems. We share these with other employees in discussions, via info flyers or social media campaigns. We make sure that Lieferando treats us equally, allocates our shifts fairly, repairs our bikes properly and pays our wages exactly. We are supported by the structures of the Free Workers Union (FAU). For example, the Foreigners Section, other FAU members, journalists and lawyers help us.
About you
You are a rider, dispatcher or employed elsewhere at Lieferando? You can imagine that our work at Lieferando can be fun and less stressful? You want humane treatment, safe equipment and fair payment? You have other ideas and conceptions of our job? You want to stand up for something? Then come to our regular meetings!
About Lieferando (TakeAway)
Lieferando belongs to the “TakeAway.com” Group. TakeAway is worldwide in the (food) delivery service business. In 2018, TakeAway has also bought Foodora and its works councils together with DeliveryHero (Germany). In 2019 Deliveroo withdrew hastily and at the expense of the employees from Germany. Some riders organized themselves as part of the #deliverunion campaign and fought for high payouts in court. Since 2019 TakeAway and its subsidiary Lieferando have been a quasi-monopolist in Germany. TakeAway markets this story as a continuous success. Employees of Lieferando, Deliveroo and above all Foodora, experience it as an ongoing arbitrariness of the management level and constant deterioration of their working conditions. In the beginning of the spread of the Corona Virus Lieferando’s actions where slow, arbitrary and instransparent. Lieferando workers reacted and started a petition for better working conditions.

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Betriebsgruppe Lieferando

Die Betriebsgruppe von Lieferando-Beschäftigten in Berlin wurde 2020 gegründet. Wir sind damit auch eine Betriebsgruppe des TakeAway-Konzerns. Ex-Foodora-Beschäftigte, Arbeiter*innen von Wolt, Velogista, Mister Subs, Stadtsalat, REWE,
DurstExpress und anderen Lieferunternehmen sind genauso willkommen wie Lieferando-Beschäftigte. Wir werden auch von ehemaligen Deliveroo-Beschäftigten unterstützt und knüpfen an deren #deliverunion-Kampagne an. Kontakt: faub-ldo(a)fau.org

Unsere Ziele
Durch regelmäßigen Austausch innerhalb der Betriebsgruppe wollen wir sicherstellen, dass wir unsere gemeinsamen Interessen als Gruppe vertreten können. Wir wollen mehr werden, indem wir mehr Arbeiter*innen ansprechen und einbeziehen. Auf diese Weise wollen wir die Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten kontinuierlich verbessern.  Wir wollen uns gegenseitig durch Wissen und Handeln unterstützen, um unsere Probleme gemeinsam zu lösen. Egal, woher wir kommen oder wohin wir wollen, egal, ob wir nur für ein halbes Jahr in Deutschland sind oder ob wir diese Arbeit für mehrere Jahre machen, wir wollen von unserer Arbeit leben können und nicht unsere Gesundheit ruinieren. Wir wollen uns vor allem vor der Willkür von Lieferando schützen und unsere Arbeitsplätze sichern.
Unsere Mittel
Am Anfang steht der Austausch untereinander. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen für unsere Probleme. Diese teilen wir mit anderen Arbeiter*innen in Diskussionen, über Infoflyer oder Social-Media-Kampagnen. Wir arbeiten darauf hin, dass Lieferando uns gleichberechtigt behandelt, unsere Schichten gerecht verteilt, unsere Fahrräder ordentlich repariert und unsere Löhne genau ausbezahlt. Wir werden von den Strukturen der Freien Arbeitergewerkschaft (FAU) unterstützt. Zum Beispiel hilft uns die Foreigner-Sektion, andere FAU-Mitglieder, Journalisten und Anwälte.
Über Dich
Du bist Rider, Dispatcher oder anderweitig bei Lieferando (TakeAway) beschäftigt? Du kannst dir vorstellen, dass Arbeit bei Lieferando Spaß macht und weniger stressig sein kann? Du willst eine menschliche Behandlung, sichere Ausrüstung und eine faire Bezahlung? Du hast andere Vorstellungen und Ideen von unserer Arbeit? Du willst dich für etwas einsetzen? Dann komm zu unseren regelmäßigen Treffen!
Über Lieferando (TakeAway)
Lieferando gehört zur “TakeAway.com”-Gruppe. TakeAway ist weltweit im (Lebensmittel-) Lieferservice Geschäft. Im Jahr 2018 hat TakeAway zusammen mit DeliveryHero (Deutschland) gekauft und damit auch Foodora und dessen Betriebsräte. Im Jahr 2019 zog sich Deliveroo übereilt und auf Kosten der Beschäftigten aus Deutschland zurück. Einige Fahrer*innen haben sich im Rahmen der Kampagne #deliverunion organisiert und vor Gericht für hohe Auszahlungen gekämpft. Seit 2019 sind TakeAway und seine Tochtergesellschaft Lieferando in Deutschland ein Quasi-Monopolist. TakeAway vermarktet diese Geschichte als kontinuierlichen Erfolg. Die Beschäftigten von Lieferando, Deliveroo und vor allem Foodora erleben sie als anhaltende Willkür der Führungsebene und ständige Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Zu Beginn der Ausbreitung des Corona-Virus waren die Aktionen von Lieferando langsam, willkürlich und intransparent. Die Arbeiter*innen von Lieferando reagierten und starteten eine Petition für bessere Arbeitsbedingungen.

“Sich gerade dort organisieren, wo die Gefahr der Vereinzelung besteht”

Der Konflikt um Deliveroo ist ein Paradebeispiel für die Aufweichung von Arbeitsbedingungen in der sogenannten „Gig-Economy“ – er zeigt aber auch, dass es sich lohnt, gegen Selbige vorzugehen. Nun hat er einen Abschluss gefunden.

Der Arbeitskonflikt um die Massenentlassungen von Deliveroo hat ein Ende gefunden: Nachdem im Oktober vergangenen Jahres bereits drei Rider im Zuge von Güteverhandlungen eine deutlich höhere Abfindung als die zuvor angedachten und wenige hundert Euro schwachen „good will payments“ erwirken konnten, hat nun auch der vierte Rider eine Vergleichszahlung erhalten. Er hatte das erste und auch das darauffolgende Angebot des Lieferdienstes abgelehnt. Bei der nun erfolgten Zahlung handelt es sich um einen nochmals deutlich höheren Betrag: Deliveroo zahlte am Ende 8000 Euro.

Nach dem Rückzug des Lieferdienstes Deliveroo aus Deutschland im August vergangenen Jahres standen plötzlich zahlreiche Fahrer nicht nur ohne Job, sondern auch ohne angemessene Abfindung da. Grundlage der darauf folgenden Güteverhandlungen war nun der Streit um die Anerkennung der Rider als regulär Beschäftigte – von Seiten des Online-Lieferdienstes waren die Rider Selbstständige, denen bei Massenentlassungen keine Abfindung zusteht – und daher rührte auch der selbst zugeschriebene „good will“ in den äußerst niedrigen „good will payments“, die den Ridern unter dieser Prämisse zunächst angeboten worden waren.

Der Konflikt um Deliveroo ist ein Paradebeispiel für die Aufweichung von Arbeitsbedingungen in der sogenannten „Gig-Economy“ – er zeigt aber auch, dass es sich lohnt, gegen Selbige vorzugehen. „Wenn Betroffene sich wehren, kann das Signalwirkung haben, sowohl auf andere Angestellte als auch auf die Unternehmen – auch und vor allem in Zusammenhängen, in denen sich das Unternehmen lediglich als Arbeitsvermittler betrachtet und sich auf diese Weise seinen Verpflichtungen zu entziehen versucht“, so Johnny Hellqvist von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union Berlin (FAU Berlin), „es ist wichtig, sich gerade dort zu organisieren, wo aufgrund ortsungebundener Tätigkeiten wie der Essenslieferung die Gefahr der Vereinzelung besteht.“